re:publica 23
5.-7. Juni 2023
Arena Berlin & Festsaal Kreuzberg
Um Gewinne zu erzielen, gehört Spekulation zum täglichen Geschäft der Finanzwelt. In den vergangenen Jahrzehnten wurden immer mehr Lebensbereiche, die bislang nicht der Logik der Finanzwelt folgten, systematisch von ihr erobert. Das hat weitreichende Auswirkungen auf das Leben vieler Menschen. Ob auf dem Wohnungsmarkt oder im Gesundheitsbereich: Im Vordergrund steht die Steigerung des Unternehmenswertes – und nicht die Qualität der Pflege oder die Verfügbarkeit bezahlbaren Wohnraumes. Wenn der Finanzmarkt immer mehr gesellschaftliche Bereiche unreguliert in Investitionsobjekte verwandelt, geraten kurzfristige Profitinteressen und langfristige gesellschaftliche Ziele miteinander in Konflikt. Was lässt sich dagegen tun, dass der Profit weniger auf Kosten von Vielen erwirtschaftet wird?
Und dann ist da noch die Lobby der Banken, Fonds und Versicherungsunternehmen. Sie arbeitet in der Regel im Verborgenen und meist zum Nachteil der Allgemeinheit: Riester und CumEx, Bankenregulierung und Finanztransaktionssteuer – in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten haben Banken, Versicherer und ihre Lobby sinnvolle Gesetze und Regeln verhindert, die Finanzaufsicht und den Kampf gegen Finanzkriminalität systematisch ausgehöhlt und zahlreiche Finanzprodukte geschaffen, von denen vor allem ihre Anbieter profitieren.
Gerhard Schick hat als Bundestagsabgeordneter aus nächster Nähe erlebt, wie groß der Ressourcenvorsprung der vielleicht mächtigsten Lobby in Berlin gegenüber der Zivilgesellschaft ist – und wohin es führen kann, wenn Banken, Versicherer und Co. ungehindert ihre Interessen durchsetzen. In seinem Vortrag auf der re:publica geht es um politische Beziehungspflege, zweifelhafte Studien und gut geölte Drehtüren. Es geht um die Frage, wer in unserer Gesellschaft Macht hat und Einfluss nehmen darf – der mit viel Geld oder der mit den besseren Argumenten? Und schließlich geht es um die Frage, wie ein Gegengewicht zur mächtigen Finanzlobby aussieht, und warum wir es brauchen, um die großen Fragen der Zukunft zu lösen.
Gerhard Schick ist Mitgründer und Vorstand der Bürgerbewegung Finanzwende. Von 2005 bis 2018 war er im Bundestag finanzpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen sowie Mitglied im Finanzmarktgremium. Dort machte er sich vor allem durch seine Arbeit für die Aufklärung rund um CumEx und die Bankenrettungen einen Namen. 2018 legte er sein Bundestagsmandat für die Arbeit in der Nichtregierungsorganisation Finanzwende nieder. Mit dem Verein kämpft er – zusammen mit vielen anderen – für stabilere, faire und nachhaltige Finanzmärkte. Außerdem ist er Autor des Buches „Die Bank gewinnt immer“.
Auf der #rp23 freuen wir uns auf Gerhard Schicks spannenden Einblicke in das Thema Finanzialisierung und Finanzlobby – und welche Auswirkungen diese auf unsere Gesellschaft haben.